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St. Bartholomä

Das Kleinod des Königssees

Wenn Sie mit dem Schiff von der Seelände aus in die Natur der Nationalparks Berchtesgaden hineingleiten, tauchen alsbald die Zwiebeltürme von St. Bartholomä vor Ihnen auf. Ihr heutiges Antlitz erhielt die Kirche im Jahre 1868. Zu dieser Zeit wurde sie auch dem heiligen Bartholomäus geweiht. König Ludwig II. in Bayern, welcher das märchenhafte Gebäudeensemble am Königssee überaus schätzte, übernahm die Kosten für die Restaurierung. Das Kirchlein wurde in seinem Grundriss dem Salzburger Dom nachempfunden und fungiert heute unter anderem als romantische Hochzeitslocation.

Gleich neben dem Gotteshaus steht das Jagdschloss. Waren hier vormals die Jäger der Fürstpropstei Berchtesgaden untergebracht, bewohnten es später die Wittelsbacher. Vor allem Prinzregent Luitpold weilte gerne auf Bartholomä und pirschte von dort aus in die Wälder. Vor 100 Jahren wurde das Jagdschloss in eine Gaststätte umgewandelt. Bei Schweinsbraten, Königssee-Forelle oder Germknödel sitzen Sie an einem sonnigen Tag im Biergarten und inhalieren das wahrhaft fürstliche Ambiente des Königssees. Die Halbinsel ist nur per Boot oder zu Fuß erreichbar und so sind Verkehrsstauungen, rote Ampeln und lautes Gehupe auf Bartholomä Fremdwörter. Atmen Sie bei einem kühlen Berchtesgadener Bier einmal tief ein und spüren Sie ganz bewusst, wie sich Ihre Lungen mit der frischen, würzigen Bergluft der Einöde füllen. Kaum an einem anderen Ort in Deutschland dürfte sie sauberer sein! Gleiches gilt für den Königssee: Das Gewässer besitzt Trinkwasserqualität - versuchen Sie vor St. Bartholomä ruhig mal einen Schluck!

Zu Füßen des Herrschers

Der Watzmann als Must-See im Berchtesgadener Land ist ein unmittelbarer Nachbar der Wallfahrtskirche. Wollen Sie die Ostwand bezwingen, müssen Sie zwangsläufig nach St. Bartholomä, denn dort ist die Einstiegsstelle. Nur Bergsteiger, die die 1800 Meter hohe Wand durchqueren wollen, dürfen auf Hirschau übernachten. Alleine diese Ausnahmeregelung lohnt es, die höchste Wand der Ostalpen in Angriff zu nehmen.

König Watzmann schickt nach Schönau immer wieder eisige und felsige Grüße hinab. Am deutlichsten wird dies bei einem rund einstündigen Spaziergang. Folgen Sie dazu den Fluten des Eisbachs zur ausgeschilderten Eiskapelle. Wenn Sie nun ein sakrales Bauwerk erwarten, werden Sie überrascht sein. Die Eiskapelle ist tatsächlich ein Kunstwerk, aber eben eines der Natur. Das Trichtertal im Schatten der Ostwand wird das ganze Jahr hindurch kaum von einem Sonnenstrahl gestreichelt. Daher kommt es, dass die Lawinenreste auch den höchsten Temperaturen standhalten. Jedes Frühjahr sausen tonnenschwere Schneemengen den Watzmann hinab und sammeln sich auf der Eiskapelle. Durch ein mächtiges Gletschertor tritt der Eisbach aus, der das Schneefeld von innen aushöhlt. Ein domartiges Konstrukt entstand auf diese Art und Weise, das den Landvermesser Sebastian Finsterwalder tief beeindruckte. Er klassifizierte die Eiskapelle als den kleinsten und am tiefsten gelegenen Gletscher der gesamten Alpen. Tatsächlich handelt es sich lediglich um ein ganzjährig vorhandenes Schneefeld. Vom Betreten der Eiskapelle muss dringend abgeraten werden. Immer wieder brechen ohne jede Vorwarnung riesige Eisklötze von den Wänden ab. Das Panorama des Schneefelds und der Blick auf die Watzmannostwand sind atemberaubend genug. Eine angenehme Kühle geht von der Kapelle aus. Sie werden den Kopf weit in den Nacken legen müssen, um die Felsvorsprünge der Ostwand betrachten zu können. Mit etwas Glück lassen sich über Ihnen Gämsen oder Murmeltiere entdecken.

Über die Berge: Trockenen Fußes nach Bartholomä

Wenn Sie schwindelfrei, trittfest und konditionell stark sind können Sie das Kirchlein vor der Watzmannostwand auch mittels einer Wanderung erreichen. Der alljährlich größte Tross an Bergsteigern macht sich stets am Samstag nach dem 24. August gen Königssee auf. Die "Almer Wallfahrt" findet seit fast 400 Jahren statt. Damit ist sie die älteste Gebirgswallfahrt Europas. Vom österreichischen Maria Alm aus ziehen rund 2000 Pilger über das Steinerne Meer Richtung Bartholomä. Mehrere Tage sind sie dafür unterwegs. Über die Ramseider Scharte, weiter gen Riemannhaus und schlussendlich über den Funtensee führt sie die Strecke ins Tal.

Schon im 17. Jahrhundert nahmen Gläubige diesen Weg auf sich. Ihr damaliges Ziel war die Kirche am Dürnberg. Seit im Jahre 1688 ein Schiffsunglück 70 Teilnehmer in den Tod riss, wurde St. Bartholomä zum Pilgerziel. Sie müssen sich aber nicht gleich einer Prozession anschließen, um die Halbinsel auf dem Landweg zu erleben. Von der Bob- und Rodelbahn an der Seelände führt der Klingersteig hinauf nach Kühroint. Über die Archenkanzel geht es anschließend auf Bartholomä zu. Der Weg ist kürzer als jener der Pilger, aber nicht minder anspruchsvoll.

Die Verkörperung Bayerns

Das Kirchlein von St. Bartholomä ist eine internationale Berühmtheit. Auf beinahe jedem Landschaftskalender zwischen Coburg und Chicago wird es abgebildet. Wenn Sie die legendäre und häufig fotografierte Szenerie genießen wollen, setzen Sie sich bei der Rückfahrt mit dem Schiff auf die Backbordseite. Wie auf unzähligen Gemälden und Fotografien erleben Sie dann St. Bartholomä in voller Pracht. Kaum ein Motiv wird stärker mit dem bayerischen Lebensgefühl verbunden. Im Vordergrund ragt die hölzerne Fischerhütte in den See hinein, dahinter erheben sich die Türme des Gotteshauses und gleich nebenan versteckt sich der Giebel des Jagdschlosses.

Abgesehen von jenem malerischen Triumvirat des Königssees gehört eine ehemalige Holzknechthütte zu den Besucherhighlights. Der Nationalpark Berchtesgaden hat dort eine Informationsstelle eingerichtet, die sich mit den dynamischen Abläufen der Natur befasst. Anhand eines beeindruckenden Watzmann-Modells wird der kraftvolle Wechsel der Jahreszeiten am Königssee beleuchtet. Meterdicke Schneewächten wechseln sich mit dem liebreizenden Grün an seinen Hängen ab. Schleicht sich der Herbst silberwarm ins Berchtesgadener Land, zieht die Region ihr farbenprächtigstes Kleid über. Das Info-Zentrum ist zwar nur sporadisch bemannt, doch vergeht kaum ein Tag, an dem die Mitarbeiter des Nationalparks Berchtesgaden dort abstinent wären. Nutzen Sie die Gelegenheit und erkundigen Sie sich aus berufenem Munde über die üppige Tier- und Pflanzenwelt auf Hirschau.

Nach so vielen spannenden Impressionen sorgt ein kleiner Spaziergang für Entschleunigung. Nur wenige Schritte nördlich der Kirche eröffnet sich eine herrliche Bucht. Unerschrockene und kälteresistente Besucher können sich hier ungestört als Schwimmer versuchen. Selbst an den heißesten Sommertagen erfährt man so eine Abkühlung, die inmitten dieser bombastischen Kulisse das Herz erwärmt.