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Salzbergwerk Berchtesgaden

Im Overall auf Salzzeitreise

Bevor Sie sich in das Erlebnisbergwerk begeben dürfen, werden Sie passend eingekleidet. Jeder Besucher muss in einen originalen Bergmannsoverall schlüpfen. Alsdann geht es auf den kleinen Zug. Ratternd bahnt sich dieser seinen Weg unter Tage. Die Luft wird zunehmend kühler und ein unverkennbar salziger Duft steigt Ihnen in die Nase. Nach 650 Metern erreicht die Grubenbahn die Salzkathedrale. Noch vor 150 Jahren war dieser domartige Hohlraum mit Wasser gefüllt. Einer der Bergknappen wird Sie eingehend über die Abbaumethode unterrichten, die im Salzbergwerk Berchtesgaden seit über 500 Jahren benutzt wird.

In die sogenannten Sinkwerke wird Süßwasser eingeleitet. Dieses reagiert mit dem Salz in den Wänden und wäscht es heraus. Im Laufe der Zeit entsteht Sole. Diese wurde vom Salzbergwerk aus über die Soleleitungsweg nach Bad Reichenhall transportiert. In früheren Zeiten führte die Soleleitung von Berchtesgaden aus gen Engedey. Die nach ihrem Erfinder benannte Reichenbach-Pumpe beförderte die Flüssigkeit auf den Söldenköpfel. Von dort aus fällt das Gelände bis zur Saline von Bad Reichenhall permanent ab. Wenn auch zwischen dem Söldenköpfel und der Schwarzbachwacht um weniger als 50 Höhenmeter.

Nach diesem Ausflug in die Arbeitsrealität der Bergknappen, wartet ein rasanter Spaß auf Sie. Um die Wege zwischen den bis zu 30 Meter hohen Sinkwerken zu verkürzen, gleiten die Arbeiter auf hölzernen Rutschen um Etagen tiefer. Die Bergmannsrutschen sind noch immer in Gebrauch und lassen vor allem die Herzen der kleinen Besucher höher schlagen. Rund 40 Meter lang und steil abfallend, stellen sie Sie vor eine kleine Mutprobe. Paarweise, zu dritt aber auch zu fünft nimmt man hintereinander Platz. Eingehakt wird sich an den Füßen des Hintermanns und schon kann es losgehen. Dass Ihnen dabei etwas warm auf dem Hosenboden wird, ist bei den 8 Grad Celsius im Berg überaus angenehm! Übrigens: Wenn Sie lieber den Fußweg hinunter zum nächsten Stollen bevorzugen, können Sie das gerne tun.

Anfassen erlaubt

Seit das Besucherzentrum im Jahr 2007 neu gestaltet wurde, treffen Sie auf viele interaktive Elemente. In der Schatzkammer erfahren Interessierte allerhand Wissenswertes über die geologische Entstehung des Salzbergs sowie über den Abbau des Rohstoffs. Um sich gegen die Konkurrenz aus Salzburg behaupten zu können, war der Salzhandel für die Fürstpropstei Berchtesgaden von übergeordneter Bedeutung. Man pochte jahrhundertelang auf die Eigenständigkeit und brachte es durch das Weiße Gold zu Wohlstand. Freilich waren die Salzburger Erzbischöfe prädestinierter, weil der Dürnberg weitaus mehr Lagerstätten aufwies. Um aber autonom zu bleiben, reichten die Berchtesgadener Salzvorkommen aus. Äonen lieferte man sich auch mit Bad Reichenhall einen ungleichen Wettbewerb. Die Stadt zu Füßen des Hochstaufen beliefert noch heute ganz Europa mit ihrem Markensalz. Nachdem es über den Hallturm zu schweren Übergriffen auf das alte Salzbergwerk Berchtesgaden kam, errichteten die Einheimischen dort im Jahre 1193 einen Wehrturm.

Erst später schlossen sich die beiden Salinen zusammen. Das keltische Wort "Hal" hat sich bis zum heutigen Tag im Berchtesgadener Land sowie in Salzburg halten können. Es bedeutet schlicht "Salz". Reichenhall, also "reich an Salz" war man immer schon in der großen Kreisstadt. Doch auch in Berchtesgaden trifft man auf die Kelten: Viele Familien tragen den Namen "Hallinger". Vermutlich betitelte man früher Bergknappen pauschal mit dieser Bezeichnung. Blicken Sie sich in der Schatzkammer eingehend um und beachten Sie vor allem die riesigen weißen Hügel hinter den Schau-Bildschirmen. Diese Menge an Salz wird nur binnen einer achtstündigen Arbeitsschicht aus dem Berg geholt!

Eine Bootsfahrt unter Tage!

Bayern ist ober- wie unterirdisch eine Augenweide. Dies beweist die Salzzeitreise in Berchtesgaden. Suchen Sie sich auf dem geräumigen Holzfloss ein gutes Plätzchen und lassen Sie sich von den Impressionen verwöhnen. Der Spiegelsee ist stolze 140 Meter lang und bis zu drei Meter tief. Das Wasser ist kristallklar, so dass Sie jede bunte Gesteinsformation auf seinem Grund erkennen können. Über und neben Ihnen funkeln Salzkristalle an den Wänden und das leiste Plätschern vor dem Bug hat durchaus mystisches Flair.

Da bekanntermaßen in Höhlen, Grotten und auch Bergwerksstollen eine unvergleichliche Akustik herrscht, schmeichelt man Ihren Ohren mit klassischen Klängen. Machen Sie sich der ungewöhnlichen Situation bewusst, die Sie im Salzbergwerk Berchtesgaden erleben dürfen: Schiffsreisen über Salzseen, Lichter-Shows an Wänden, die vormals Meeresboden waren und dazu Mozart, Bach und Beethoven. Der nächste Höhepunkt der Salzzeitreise begegnet Ihnen in Gestalt der zuvor bereits erwähnten Reichenbach-Pumpe. Der Salinenrat Georg von Reichenbach konstruierte im 19. Jahrhundert dieses Meisterstück der Ingenieurskunst. Er hätte damit noch heutzutage gute Chancen, einen Preis für nachhaltiges Wirtschaften zu gewinnen. Denn seine Pumpe wurde ausschließlich von Wasserkraft angetrieben. Umweltschonend, kraftvoll und robust überwand sie zuverlässig einen Höhenunterschied von sage und schreibe 356 Metern. Reichenbach wurde deshalb vom bayerischen König Max I. Josef in den Adelsstand erhoben.

Das Erlebnisbergwerk für alle Sinne

Neben der Salzzeitreise lässt sich im Bergwerk Berchtesgaden noch Ungewöhnlicheres erleben. Zusätzlich zur Führung können Sie ein Unter-Tage-Dinner buchen. Verharren Sie dabei auch in der romantischen Steinsalzgrotte. Die Kapelle wurde zu Ehren König Ludwigs II. in Bayern errichtet. Der Altar ist einzig aus Salzsteinen gefertigt, die alle unterschiedliche Farbnuancen aufweisen. Von fast weiß bis dunkelorange reichen die Schattierungen. Jedes salzige Bauelement ist ein Unikat und daher entfaltet sich auch tief unter der Erde die Vielfalt der Schöpfung. Wenn Sie nach der Führung rechtschaffen hungrig geworden sind, lassen Sie sich im festlich dekorierten Speiseraum nieder. Von verschiedenfarbigen Strahlern angeleuchtet, entfalten die Wände noch einmal ihr ganz spezielles Flair. Ob kulinarisch verwöhnt oder ausschließlich mit den imposanten Bildern der Salzzeitreise beschenkt; nach einem Besuch im Salzbergwerk werden Sie die Berchtesgadener Naturschönheiten mit anderen Augen sehen. Das Gros der Salzvorkommen schlummern noch heute im Hagengebirge. Damit der Berg noch lange seine Schätze preisgibt, wird von den Bergknappen Jahr für ein Jahr ein Fest begangen. Den Startschuss dazu gibt am Pfingstsonntag um 20 Uhr das Konzert der Bergmannskapelle auf dem Schlossplatz. Am nächsten Tag wird um 6.30 Uhr "geweckt" und die Knappen-Prozession marschiert zuerst in den Salzberg und anschließend in die Stiftskirche ein.